5.5 DAS MATROSCHKA MODELL

 

Experten Fazit

Als Matroschka-Modell bezeichnen wir die gezielte Suche nach den geeigneten Verbündeten, mit der der eigenen Sache Gewicht verliehen werden kann. In der politischen Auseinandersetzung und in den Aktivitäten der Lobbyisten wird es besonders häufig und auch hartnäckig benutzt.

Matroschka sind kleine bunt bemalte eiförmige russische Holzpuppen, die ineinander schachtelbar sind. Als Spielzeuge und vor allem als Souvenir erfreuen sie sich großer Beliebtheit. Sie gibt es sowohl in der ursprünglichen weiblichen Variante wie der Wortstamm mater (Mutter) verdeutlicht, aber auch in der kriegerisch männlichen. Je nach Bemalung kann die Symbolik wechseln, von volkstümlichen Mutterfiguren bis hin zur satirischen Wiedergabe von Politikern. Die Figurensätze können mehr als 20teilig sein. Zum Teil wird diesen Gebilden auch eine Talisman-Wirkung zugesprochen.

Gerade die Verschachtelung, die den kleineren Puppen einen wachsenden Umfang verleiht, indem sie jeweils in der nächst größeren aufgeht, ist für mich der eigentliche Anreiz mit diesem bildhaften Begriff zu hantieren. Sie kann einen Prozess der bewusst herbeigeführten Vergrößerung der eigenen Einflusschancen verdeutlichen, den wir in allen Organisationsformen vor allem im Rahmen der Lobbyarbeit beobachten können. Nehmen wir einmal aus dem biographischen Erfahrungsschatz des Autors, eine Bildungsstätte X im Lande Niedersachsen, die sich der politischen Bildung von Erwachsenen vor allem im Rahmen des gesetzlich geregelten Bildungsurlaubs widmet. Das heißt, die Teilnehmer an den Seminaren werden während der Bildungsmaßnahme in dieser Einrichtung wohnen und verpflegt. Finanziell getragen wird diese Einrichtung zu einem Großteil aus öffentlichen Mitteln des Landes. Der Kuchen der öffentlichen Mittel ist selbstverständlich begrenzt und der Kampf um diese ist auch unter gebildeten Menschen nicht weniger heftig als in anderen gesellschaftlichen Feldern. Also schließt sich diese Einrichtung mit anderen Einrichtungen mit einer vergleichbaren „Internats“-Form zusammen, um z.B. gegenüber anderen Erwachsenenbildungseinrichtungen in „ambulanter“ Form,, also mit Tages- oder Abendveranstaltungen, ein Gegengewicht zu bilden. Das schließt dennoch ein, dass sich beide Institutionen in einem nächsten Schritt zusammenschließen, um gemeinsame Interessen bei der Durchführung von politischer Bildungsarbeit im Rahmen des Bildungsurlaubs zu bekunden. In einem weiteren Schritt verbünden sie sich mit anderen Institutionen der Erwachsenenbildung inhalts- und zielgruppenübergreifend um, wiederum an Gewicht gegenüber anderen Bildungseinrichtungen, wie Schule oder Hochschule zu gewinnen. Und alle Institutionen, die sich mit Bildungsfragen zu tun haben, schließen schließlich ihre Reihen, um nicht gegenüber den anderen Resorts, die öffentliche Mittel beanspruchen ins Hintertreffen zu geraten. Damit ist unseres Erachtens das Matroschka-Prinzip hinlänglich beschrieben, wenigsten, was das Zusammenfügen der Puppen betrifft. Der Aspekt des Auseinandernehmens der Puppen (d.h. die Verteilung des gemeinsam erstrittenen Geldes), wir hier nicht weiter thematisiert mit Ausnahme des Hinweises, hier werden ehemals Verbündete schnell wieder zu Gegner, wenn nicht sogar zu Feinden.

 

 

Persönliches Fazit

  • Können Sie sich vorstellen – oder tun Sie es bereits – im Sinne des Matroschka Modells Ihrem Einfluss immer mehr Gewicht zu verleihen?
  • Welche Erfahrung haben Sie gemacht, wenn das Gemeinsam erreichte, dann wieder aufgeteilt werden soll?
  • Welche Konsequenzen ziehen Sie für sich aus Ihren Erfahrungen?
  • Auf was müsste man besonders Acht geben?